Der Fall der Woche

Schilder machen Leute

Foto: Dragon Mood House

von GastautorIn

Heute geht es um die Illusion unserer Wahrnehmung. Bietest Du etwas zu billig an, will es keiner, weil es sicherlich nicht wertvoll ist. Machst Du es aber zu teuer, dann sind die Leute zu geizig, es sich zu gönnen. Am Schluss bleibt es aber dasselbe! Hast Du eine Krawatte um, dann glauben alle, Du wärst wohlhabend und gebildet, trägst Du hingegen eine ölige Latzhose, dann bist Du armselig. Wir haben gelernt, ein Buch nach seinem Einband zu beurteilen und daher „verkaufen“ sich fast alle möglichst geschickt.

Obwohl ich das doof finde, habe ich mir nun auch auf diese Weise geholfen – das gestehe ich! Nachdem wir das Schild „Dragon Mood House“ in Vorgarten aufgestellt hatten, fanden wir zunächst keinerlei Resonanz. Der Eine oder Andere blieb zwar stehen und murmelte vielleicht: „Wat is' nu dat ok?“

Jürgen, unser wohlwollender Nachbar, meinte: „Michael, das verstehen die Ostfriesen nicht, du musst deutlicher werden!“

Na gut. So malte ich ein weiteres Schild, auf dem in großen Buchstaben „Schmerztherapie“ und meine Telefonnummer standen. Zuversichtlich brachte ich es unter dem anderen Schild an. Wochen vergingen und nichts passierte.

Ich überlegte, wie ich denn unsere gut gemeinte und qualifizierte Arbeit noch verständlich bewerben könnte, als mich Garrelt, ein anderer lieber Nachbar, in der Türe beim Verabschieden fragte: „Du ich hab' Rücken, kannst Du da was machen?“ Ich konnte zum Glück und nach wenigen Handgriffen im Stehen war er schmerzfrei und blieb es auch längerfristig.

„Mensch“, sagte er, „das funktioniert ja wie bei den Knochenbrechern hier!“ Da war die perfekte Idee geboren.

Schilder machen eben Leute!

Ich riss das alte Schild abermals herunter und ersetzte es durch eines, auf dem ein humpelnder Drachen zu sehen ist, neben dem „KNOCHENBRECHER“ zu lesen steht. Und siehe da, die Leute kommen, wenn auch noch zögerlich, aber immerhin.

Sogar beim Rasenmähen rufen sie über die Hecke: „Büst Du de Knockenbreker?“ und vereinbaren einen schnellen Termin. Es sind zwar nur die Symptome, die ich auf diese Weise mal eben „wegdrücke“, aber ich sage jedem, dass auf Wunsch auch gerne tiefer und ursächlicher gearbeitet werden kann.

Der Eine will's, der Andere nicht – und ich verdiene auf ehrliche Art mein Geld. Schilder machen eben Leute!

Denn mokt mol all good!, wünscht ein Kollege aus der Naturmedizin.

P.S. Und wer persönlichen Kontakt mit dem Knochenbrecher aufnehmen will: Die Telefonnummer steht auf dem Schild.

 

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